Armando ist Tot / Armando is dood

Armando ist am 1. Juli 2018 im Alter von 88 Jahren in Potsdam, in seinem Wohnatelier gestorben. Hier lebte Armando mit seiner Frau Christiane Winter. Der niederländische Künstler, geboren 1928, lebte bis in den 50er Jahren in Amersfoort/NL. Er spielte als Kind und Jugendlicher viel im Wald, sein bürgerlicher Name war zu der Zeit noch Herman Dirk van Dodeweerd. In dem Wald errichteten 1938 deutsche Besatzer erst das polizeiliche Durchgangslager und später das Konzentrationslager Amersfoort. Der Wald spielt eine große Rolle im Werk von Armando. Seine Erfahrungen und Beobachtungen im Wald prägen sein gesamtes Schaffen: Die Themen Gewalt, Schuld, Vergessen, Leben, Tod und Zeit werden für sein Werk bestimmend. Am Lager im Wald befindet sich heutzutage eine Ausbildungsstätte für die niederländische Polizei und ein Dokumentationszentrum.

1958 gründete Armando mit u.a. Jan Schoonhoven, die niederländische Informelle Gruppe, 1960 die Gruppe nul. Mit einem Stipendium DAAD kam Armando 1979 nach Berlin und schrieb für das NRC Handelsblatt regelmäßig Kolumnen unter den Titel Armando uit Berlijn. 1982 war Armando teilnehmender Künstler auf der Kassler documenta 7, 1984 vertrat er den Niederländischen Pavillon auf der 41. Biennale in Venedig. 1993 wurde das Armando-Quartett gegründet, 1994 erschien sein erstes Kinderbuch. 1996 wurde er zum Mitglied der Akademie der Künste berufen. Er war einer der Künstler mit einem eigenen Museum: das brennt leider ab.  Armando zähle zu den Zero-Künstlern, („Die Künstler suchten einen neuen Anfang, eine „Stunde Null“, die von der Vergangenheit unbelastet sein sollte. Sie wollten dem aufgezwungenen Drama des Zweiten Weltkrieg und seinen Gräueln eine reinere, heilere Welt entgegensetzen, indem sie in der Alternative zu den alten Kunstwertigkeiten, die sie im Informel (Informellen Malerei) und im Tachismus der Nachkriegszeit repräsentiert fanden, eine hoffnungsvolle und idealistische Lebensauffassung sahen.“¹) doch Armando paßte aber auch dort nicht wirklich hinein. Armando war Maler, Schriftsteller, Musiker, Boxer, Dokumentarist. Er interviewte die Täter des Arbeitslagers Amersfoort in den Niederlanden in dem unser Großvater Heine Bolks erschossen wurde. Als Widerstandskämpfer im niederländischen Untergrund war er für die Nazis ein „Terrorist“, nach dem Krieg wurde er als Held verehrt, für die Familie ist es ein Mann, der Frau und vier Kinder verlassen hat. Ein Bild Armandos stellt den Stacheldrahtzaun des Lagers da, der Boden schneebedeckt, schwarz der Stacheldraht, weiß der Schnee … Armando war erst 14 Jahre alt, als er die Lageraufseher beobachtete. Wenn man das Bild betrachtet, ist es so als höre man die Schritte der Lageraufseher im Schnee.

 

Vor sieben Jahren führte ich ein Interview, in dem Armando auf sein Lebensalter und die Kunstproduktion einging.

BK: Du bist nun 80 Jahre alt.

Armando: Nein, ich bin 81 Jahre alt – es wird Zeit, dass ich verschwinde.

BK: Ja, wirklich?

Armando: Ja, das sind viel zu viele. Alle anderen Künstler sind mit  60 oder 65 Tod und ich bin noch da.

BK: Aber, es kommt noch sehr viel heraus.

Armando: Ziemlich, ja, ganz viel sogar. Ja, ich habe Eile. Ich lebe und ich bin noch nicht dement.

BK: Dann hast Du ja eigentlich keine Zeit um weg zu gehen.

Armando: Nein, ich sage immer ich habe nicht genug Zeit für die Kunst.

 

BK: Je bent nu 80 Jaar.

Armando: Nee, 81 Jaar. Het word tijd dat ik verdwijn.

BK: Ja, werkelijk?

Armando: Ja, dat zijn er veels te veel, andere kunstenaars  gaan met 60 of 65 al dood, en ik ben er nog.

BK: Maar er komt nog heel veel uit.

Armando: Nogal ja, heel veel zelfs. Ja, ik heb haast… maar ik leef en ik ben niet Dement!

BK: Dan heb je eigenlijk geen tijd om weg te gaan.

Armando: Nee, ik zeg altijd, ik heb niet genoeg tijd voor de kunst.

 

Armando mit Friedrich Bolks, 2010 im Wohnatelier in Potsdam.

 

¹ Helga Meister: ZERO und die Folgen in „Kunst in Düsseldorf“, 1989

vor 2 Monaten